Kurzantwort: Bleirohre wurden in Deutschland bis in die 1970er Jahre eingebaut und können Blei ans Trinkwasser abgeben. Das ist ein Gesundheitsrisiko, besonders für Kinder und Schwangere. Wenn Sie in einem Altbau in Saarbrücken wohnen, sollten Sie prüfen, ob noch Bleirohre vorhanden sind - und diese austauschen lassen.
Warum sind Bleirohre gefährlich?
Blei ist ein Schwermetall, das sich im Körper ansammelt und das Nervensystem, die Nieren und die Blutbildung schädigt. Kinder, deren Gehirn noch in der Entwicklung ist, reagieren besonders empfindlich. Laut Trinkwasserverordnung liegt der Grenzwert für Blei im Trinkwasser bei 0,010 Milligramm pro Liter. Bleirohre können diesen Wert überschreiten, besonders wenn das Wasser lange im Rohr steht.
Wo sind Bleirohre zu finden?
In Saarbrücken können Bleirohre in Gebäuden aus folgenden Baujahren vorkommen:
- Vor 1945: Häufig Bleirohre sowohl in Zuleitungen als auch in Abwasserleitungen.
- 1945 bis 1973: Teilweise noch Blei in Verbindungsstücken und Hausanschlussleitungen.
- Nach 1973: Blei in der Trinkwasser-Hausinstallation offiziell verboten; Ausnahmen möglich.
Wie erkenne ich Bleirohre?
Optische Merkmale
Bleirohre sind grau, oft leicht gebogen und weich. Im Gegensatz zu Kupferrohren (rötlich-gold) oder Kunststoffrohren (weiß oder grau, aber starr und glatt) sind Bleirohre mattgrau und lassen sich mit dem Fingernagel eindrücken oder ritzen.
Kratztest
Kratzen Sie mit einem Messer oder Nagel an der Rohroberfläche. Silbrig-glänzendes Material unter einer matten grauen Schicht deutet stark auf Blei hin.
Magnettest
Blei ist nicht magnetisch. Ein Magnet bleibt an Stahl- oder Eisenrohren hängen, nicht an Bleirohren.
Wassertest
Lassen Sie morgens vor dem ersten Gebrauch das Wasser mindestens 30 Sekunden laufen, bevor Sie es trinken. Nehmen Sie eine Wasserprobe und lassen Sie sie von einem akkreditierten Labor in Saarbrücken auf Blei untersuchen. Wasseranalysen kosten zwischen 20 und 80 Euro pro Probe.
Wer ist für den Austausch verantwortlich?
Die Verantwortung liegt beim Eigentümer des Gebäudes. Wenn Sie Mieter sind, informieren Sie Ihren Vermieter schriftlich. Er ist verpflichtet, für einwandfreies Trinkwasser zu sorgen. Der Austausch von Bleirohren ist Vermietersache und kann nicht auf den Mieter abgewälzt werden.
Für Eigentümer gilt: Seit 2013 müssen Vermieter bei Verdacht auf Bleirohre Wasseruntersuchungen durchführen lassen.
Sanierungsoptionen
Option 1: Vollständiger Rohraustausch
Die zuverlässigste Methode. Alle Bleirohre werden durch Kupfer- oder Kunststoffleitungen (zum Beispiel PE-X oder Verbundrohr) ersetzt. Das erfordert Aufgraben oder Stemmarbeiten, ist aber dauerhaft sicher.
Option 2: Innenbeschichtung
Ein Verfahren, bei dem eine Epoxidharz-Beschichtung von innen aufgebracht wird. Es schützt das Wasser vor direktem Kontakt mit dem Blei. Kritiker bemängeln, dass die Langzeitwirkung weniger gut erforscht ist als der komplette Austausch.
Option 3: Wasserfilter als Überbrückung
Zertifizierte Wasserfilter können Blei aus dem Leitungswasser entfernen. Das ist keine dauerhafte Lösung, aber eine Möglichkeit, Zeit zu gewinnen, bis der Austausch geplant und durchgeführt werden kann.
Fördermittel und Kosten
Die Kosten für den Rohraustausch hängen vom Umfang der Leitungen ab. Im Durchschnitt sind für eine Wohnung mehrere tausend Euro einzuplanen. Einige Energiebanken und kommunale Förderprogramme unterstützen die Sanierung - fragen Sie bei der Saarbrücker Stadtverwaltung nach aktuellen Fördermöglichkeiten.